Jeden Tag ein bisschen Wahnsinn.
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philosophisch

dieses mal ist es kein elegantes 15 euro teures moleskine büchlein mit lederband und schicken, leicht gelblichen, karrierten blättern. es ist ein 3-euro-spiralblock aus dem supermarkt. karrierte blätter aus recycling-papier. immerhin.

jedes mal wenn mich was neues inspiriert, ziehe ich los, und kaufe einen schreibblock. teuer oder billig, spielt keine rolle. hauptsache viel karriertes papier, das ich mit meinen gedanken und ideen füllen kann, egal, wo ich bin.

***

ich weiss nur, dass ich nichts weiss. verschiedene fernsehsender verdrehen die fakten, je nachdem zu welchem politischen system sie halten.

meine tante spricht mit uns am telefon. ihre stimme, die aus 4000 km weite ertönt, ist voller bitterkeit. der ton voller vorwürfe. all die jahre, in denen sie dort lebte, und wir hier, spiegeln sich in diesem ton.

man könnte meinen, jemand hätte sie ihrer chancen auf ein normales leben beraubt. und dieser jemand sind wir. nur weil wir die möglichkeit hatten, das land zu verlassen, und unser leben hier aufzubauen, sin wir schuld.

daran, dass sie geschieden ist, wieder bei ihren eltern lebt. im kasino nachtschicht schieben muss... daran, dass sie nicht nach europa gehen konnte.

sie sagt das nicht so aber man versteht es am ton eben.

was soll ich dazu sagen? wenn man hier kein geld hat, hat man auch gar nichts.

zuerst hatten wir viel geld, dann gar keins. unsere lebensqualität kam auch nicht über nacht. und jeder von uns muss auch arbeiten gehen, um normal leben zu können (normal, damit meine ich, wir sind nicht reich. als mein vater noch hier war, gab es eine zeit, da waren wir richtig reich. aber das ist so lange her. und schon sehr lange vorbei.)

und irgendwie finde ich es unfair, uns die schuld dafür zu geben, dass ihr leben nicht so verlaufen ist, wie sie es wollte. und meine mutter schickt ihnen seit jahren jeden monat geld. genug geld.

vor kurzem erst hatte ich meine welt aufgeräumt, und dachte schon fast, dass ich alles verstehe und hinkriege.

und jetzt bin ich wieder bei null. so als hätte mich jemand hinuntergestoßen. von einer bergspitze, oder aus dem fenster eines skyscrapers. und ich bin gefallen. und habe es überlebt. und anstatt mich zu freuen, am leben zu sein, fange ich wieder an, raufzuklettern. obwohl ich mir fast sicher bin, dass ich nochmal fallen werde.

und so ist es immer.

22.8.08 20:07
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


leander (25.8.08 11:31)
du bist empfindsam, achtsam und nicht leichtfertig.
eine faszinierende persönlichkeit.
du wirst aus jeder situation eine philosophie gestalten, da darfst du dich ganz sicher auf dich verlassen - du schaffst das!


ninkka (26.8.08 12:21)
danke, leander, es tut gut so einen netten leser zu haben! hast du vielleicht auch ein blog?


leander (27.8.08 08:35)
Ninkka, nein, so ein blog habe ich mir noch nicht eingerichtet.


ninkka (27.8.08 10:30)
schade, sonst könnt ich ja auch bei dir was schreiben

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