Jeden Tag ein bisschen Wahnsinn.
  Startseite
    notepad
    das leben
    krieg in georgien
    doodles
    bücher
    pics
    musik
    kunst
    zitate
    gekauft
    medien
    comiclog
  Über...
  Archiv
  Impressum
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   altmaterial
   déjàvu
   nummer9
   noniko
   zimmer.4.8.3.
   mind.in.motion
   nuttenfotograf
   robenmarie
   shimandsons
   thegreenfrogstudio
   mojizu
   ali edwards

http://myblog.de/ninkka

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
notepad

geschichten aus dem leben einer fast-fremden

j. ist 1,50 groß und hat einen taillienumfang von ungefähr 200 cm. sie ist eine gläubige capverdianerin, hart arbeitende frau, stolze mutter von 10 (!) kindern, alle von 3 verschiedenen vätern, liebevolle alles vergebende ehefrau und einfach nur durchgeknallt.


in ihrem besitz ein großes haus mit mehreren wohnungen, vermietet sie alle flächen im haus, inklusive ihrer eigenen bude. hockt mit mann und kindern im keller. wie es sein kann, dass das jugendamt ihr noch nicht alle mutterrechte entzogen hat, keine ahnung. spricht kaum eine sprache, die wir verstehen, ist aber die, die am lautesten schreit, wenn ihr was nicht passt.
ihr mann, ein arbeitsloser und trinkender psychopath, der fürs babysitten seiner eigenen kinder jeden monat 800 euro von ihr abknöpft, hatte vor ein paar jahren versucht, sie umzubringen, indem er ein topf kochendes wasser über sie goss. sie kam mit schweren verbrennungen ins krankenhaus, er ins gefängnis.


während er seine 4 jahre absaß, besuchte sie ihn regelmäßig und brachte die kinder zu ihm, damit sie mit "vater" in kontakt bleiben.
alle dachten, sie würde ihn verlassen, doch als er wieder auf freiem fuß war, holte sie ihn wieder nach hause, und sie wurden die glückliche perfekte familie, wie vor der eben geschilderten horrorgeschichte (wer den sarkasmus nicht mitbekommen hat: wie kann nur alles ok sein, wenn dein mann versucht hat, dich umzubringen?)


vor ein paar tagen entscheiden sie, in urlaub zu fahren. nach spanien. mit den 4 kindern, die noch zu hause leben. als sie dort ankommen, fängt j.s mann wieder an, ihr zu drohen, er werde ihr den kopf abschneiden. dann nimmt er das auto und ist wieder weg nach hause. inzwischen ist j. bei der spanischen polizei, um ihren mann anzuzeigen. die spanischen behörden setzten sich mit unserer polizei in verbindung, und diese schnappt den verrückten, als er friedlich zu hause fernsieht.


wie es weiter gehen wird, keine ahnung. wahrscheinlich wird er wieder freikommen, und sie nimmt ihn mit nach hause. und so geht das immer weiter, bis die beiden nicht mehr sind. oder bis es ihm einmal tatsächlich gelingt, sie umzubringen.

manchmal treffe ich j. auf der straße. sie lächelt nett und sagt guten tag. ich antworte ihr höflich. wir gehen aneinander vorbei. sie denkt wahrscheinlich darüber nach, wann sie endlich zu hause sein wird, nach dem langen, anstrengenden arbeitstag. ich drehe mich kurz um, und denke darüber nach, wie verschieden unsere leben und unsere werte sind und wie wir trotz allem immer weiter machen müssen, egal was passiert ist, und egal was uns noch bevorsteht.
5.9.08 14:12


philosophisch

dieses mal ist es kein elegantes 15 euro teures moleskine büchlein mit lederband und schicken, leicht gelblichen, karrierten blättern. es ist ein 3-euro-spiralblock aus dem supermarkt. karrierte blätter aus recycling-papier. immerhin.

jedes mal wenn mich was neues inspiriert, ziehe ich los, und kaufe einen schreibblock. teuer oder billig, spielt keine rolle. hauptsache viel karriertes papier, das ich mit meinen gedanken und ideen füllen kann, egal, wo ich bin.

***

ich weiss nur, dass ich nichts weiss. verschiedene fernsehsender verdrehen die fakten, je nachdem zu welchem politischen system sie halten.

meine tante spricht mit uns am telefon. ihre stimme, die aus 4000 km weite ertönt, ist voller bitterkeit. der ton voller vorwürfe. all die jahre, in denen sie dort lebte, und wir hier, spiegeln sich in diesem ton.

man könnte meinen, jemand hätte sie ihrer chancen auf ein normales leben beraubt. und dieser jemand sind wir. nur weil wir die möglichkeit hatten, das land zu verlassen, und unser leben hier aufzubauen, sin wir schuld.

daran, dass sie geschieden ist, wieder bei ihren eltern lebt. im kasino nachtschicht schieben muss... daran, dass sie nicht nach europa gehen konnte.

sie sagt das nicht so aber man versteht es am ton eben.

was soll ich dazu sagen? wenn man hier kein geld hat, hat man auch gar nichts.

zuerst hatten wir viel geld, dann gar keins. unsere lebensqualität kam auch nicht über nacht. und jeder von uns muss auch arbeiten gehen, um normal leben zu können (normal, damit meine ich, wir sind nicht reich. als mein vater noch hier war, gab es eine zeit, da waren wir richtig reich. aber das ist so lange her. und schon sehr lange vorbei.)

und irgendwie finde ich es unfair, uns die schuld dafür zu geben, dass ihr leben nicht so verlaufen ist, wie sie es wollte. und meine mutter schickt ihnen seit jahren jeden monat geld. genug geld.

vor kurzem erst hatte ich meine welt aufgeräumt, und dachte schon fast, dass ich alles verstehe und hinkriege.

und jetzt bin ich wieder bei null. so als hätte mich jemand hinuntergestoßen. von einer bergspitze, oder aus dem fenster eines skyscrapers. und ich bin gefallen. und habe es überlebt. und anstatt mich zu freuen, am leben zu sein, fange ich wieder an, raufzuklettern. obwohl ich mir fast sicher bin, dass ich nochmal fallen werde.

und so ist es immer.

22.8.08 20:07





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung